Herr Kobayashi und der Yen Carry Trade
Wenn Sie Rentner in Japan sind und die japanischen Staatsanleihen 1% Zinsen abwerfen, ist Ihr Investmentreturn nicht besonders aufregend.
Zum Glück ist der Yen frei konvertierbar und Sie können, so wie ihr Nachbar, der schon wieder eine Reise gemacht hat und ein nagelneues Auto vor der Tür, ein Konto eröffnen und Ihren Yen, sagen wir mal in Aussi $ um Tausend erhöhen. Da sie dort auch öfters mal Urlaub machen, kennen Sie sich ein bissen aus mit Aussi $ aus. So bekommen Sie auf einmal nicht 1 % sondern 6% Zinsen. Etwa 25 % aller Yen-Devisengeschäfte werden von kleinen Privatkonten aus getätigt. Auch Hedge Fonds haben im großen Stil den Yen Carry Trade zur Erzielung von Gewinnen genutzt. Solange alle dasselbe machen und keiner seine Strategie ändert, ist es für alle ein schönes Leben.
Der Yen verliert an Wert und die Zinsdifferenz ist ein netter Ertrag in den heutigen renditeschwachen Zeiten. Und wenn man Glück hat und in Australien eine Immobilie oder eine gut laufende Aktie hält, verdient man sogar noch doppelt an der Währung und an dem Steigen der Aktie/Anleihe/Immobilie (sonstige Anlage).
Bis zum 16.08.2007 ist der Yen gegenüber den meisten Währungen an einem Tag um 5 % gestiegen. So hat der Yen gegenüber dem Euro innerhalb von sieben Wochen, seit dem 12.07.07 bis zu 9 % an Wert verloren. Dies kam u.a. dadurch, dass einige institutionelle Investoren zum 15.08.07 Gelder bei Hedge Fonds abgerufen haben, die Fonds dann liquidieren mussten, um den Auszahlungswünschen nachzukommen und damit den berühmten Schneeball- oder Domino-Effekt an den Kapitalmärkten ausgelöst haben, und Anlagen bei sinkenden Kursen zu immer größeren Abschlägen verkauften.
„Alles hängt mit allem zusammen” von Jim Rogers, einer der bekanntesten und erfolgreichsten Investoren. Berühmt geworden durch seine zweimalige Umrundung der Welt mit dem Motorrad und dem Auto.
Sinkende Risikoprämien, um noch ein bißchen Rendite zu erhaschen, Yen carry tarade. Subprime Mortage Debakel, US Immobilien Krise, West-LB, Sachsen-LB, IKB-Verluste und AAA Ratings, die sich als nicht glaubwürdig heraus stellen. Das ganze System basiert auf Vertrauen, das die gemachten Versprechen eingehalten werden, die Bewertungen der Vermögenswerte zutreffend sind und nicht alle Investoren/Anleger/Sparer auf einmal die ihnen gemachten Versprechen einfordern (Bank-run).
Warren Buffet besitzt mit seiner Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway ca. 19 % von Moody’’ s (einer Ratingagentur). Einem Vorschlag von John Mauldin zufolge, sollte Buffet Moodys vollständig kaufen und mit seiner klaren Sicht für die tatsächlichen Werte zu einem Neuanfang bei der Bewertung, der in der Bewertungskrise befindlichen Residential Mortgage Backed Securitys (RMBS) führen.
So wie 1907 J.P. Morgen die Panik mit der Bereitstellung von Liquidtiät (und Übernahme der FED in Privatbesitz) überwunden hat, so könnte Buffet durch seine Glaubwürdigkeit das Vertrauen der Investoren in die realistische Bewertung der Investments zurückgewinnen. Beim Investment scheinen alle wie kleine Kinder zu sein, alle wollen wild toben und Spaß haben (Gewinne), wenn dabei etwas kaputt geht (Verluste) fangen alle an, nach Mom und Dad zu rufen (Zentralbanken, Regierung). So funktioniert es leider nicht im richtigen Leben. Bei Investitionen ist meist die Investition, die am schwersten fällt, auch die Ertragreichste.
So ist jetzt die Frage, ob es sich nicht lohnt, genau hinzusehen und die im allgemeinen Strudel mit nach unten gerissen RMBS zu erstehen, die nicht auf Liar-Krediten sondern auf ganz normalen Krediten basieren. Dies ist eine Entscheidung, die jeder für sich selber treffen muss, in Absprache mit seinem Finanz-Bankberater und natürlich muss sein persönlicher Risikoappetit getroffen werden.
Tifany…
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Trackback von Tifany — 7. März 2008 @ 17:09